Mittwoch, 30. Juli 2014

Indieland ist abgebrannt! Oder: Was macht eigentlich die Königsfamilie der "Class of 2005"?

Dank der Klatschpresse erfährt man spätestens beim nächsten Friseurbesuch, was die royale Familie Großbritanniens so macht. Über die Königsklasse des Indierock erfährt man wenig. Es ist ruhiger geworden um den König mit dem Hut Paul Smith, die stilvolle Königin Alex Kapranos, die niedliche Prinzessin Alex Turner und dem Prinz Harry Synonym Pete Doherty. Der Grund warum ich danach frage ist dieser: Als ich letztens um 3 Uhr nachts auf YouTube gerade damit fertig war eine Dokumentation über Siamesische Zwillinge zu schauen stolperte ich über ein Make Up Tutorial. Bis dahin nichts besonderes. Man ertappt sich ja auch immer mal dabei RTL zu gucken. Was einen dann stutzig machte war die Hintergrundmusik, die abgespielt wurde als gerade der perfekte Lippenstift aufgetragen wurde. Es war "Arabella" von den Arctic Monkeys. Was macht eine der erfolgreichsten und besten Indiebands in einem Make Up Tutorial?


Falls man mir nicht glauben will, ist hier noch ein wunderbares Beispiel: 




Um mir das zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen: Im September 2013 schrieb der Musikexpress Indieland sei abgebrannt, doch es brenne noch irgendwo in dunklen Hinterhöfen. Grund dafür waren die Veröffentlichungen der neuen Album der Großen 3: Arctic Monkeys, Franz Ferdinand und Babyshambles. Doch es stimmt: England brennt schon lange nicht mehr. In den britischen Charts finden wir Schwiegersohn- Musik von Ed Sheeran, Sondermüll von Coldplay und eine Australische Boyband genau wie in Deutschland (Nur das in Deutschland noch Helene Fischer mitmischt). Da ich gerade mal einen Blick in die Charts riskiert habe, um hier nix falsches zu schreiben ist mir was aufgefallen: Während "The Black Market" von Rise Against in Deutschland die 1 blockiert, schaffen sie es in Großbritannien nur auf die 76. Witzig. Was machen nun also die Mengen an Indie Bands aus den 00er Jahren? Wie halten sie sich über Wasser? Nun ja, einige haben sich getrennt, andere steuern auf den Untergang zu. Bands wie Bloc Party, The Kooks und Kaiser Chefs können einfach nicht an den Erfolg ihrer Anfangsjahre anschließen und versuchen nun über poppigere Musik den Anschluss nicht zu verlieren. Auch Maximo Park sind ziemlich am rudern, denn ihr aktuelles Album "Too Much Information", mit dem sie zu ihrem ursprünglichen Sound zurückkehren wollten floppte in Deutschland mit der bis jetzt schlechtesten Chartplatzierung. Immerhin konnten sie sich in Großbritannien auf einen soliden Platz 7 retten. Babyshambles rund um Pete Doherty lieferten mit "Sequel To The Prequel" eines der besten Album des Jahres 2013 ab und schaffen es damit gerade noch in die Top Ten der Britischen und Deutschen Charts. Ob es an der bösen Presse rund um Pete liegt oder an dem Fakt, dass die Leute nicht mehr an diese rotzig melancholische Gitarrenmusik gewohnt sind. Bei Rock am Ring spielten die Babyshambles jedenfalls den Alterna- Head und keiner war da (außer Pete, der war rein zufällig mal da). In Twitter Kommentaren, die bei Rock am Ring ja immer eingeblendet werden, herrschte sogar Entsetzen darüber, dass Pete aufgetreten ist, weil doch K.I.Z. schon als Nachrücker bereitstanden. Fragt man auf der Straße nach der Existenz der Band Franz Ferdinand werden dies viele Menschen leugnen. Der Stil von Kapranos und seinen Amigos ist einfach zu speziell. Dennoch scheinen sie eines richtig zu machen, ihre Alben landen in Großbritannien und Deutschland souverän in den Top Ten. Ein Glücksfall, dass Franz Ferdinand fröhliche Tanzohrwürmer mit Gitarren produzieren, denen kein Musikkenner widerstehen kann, aber von der breiten Masse als seltsam befunden werden. 

Alex Turner 2008- 2014



Zu guter letzt zum Phänomen der Arctic Monkeys: Sie landeten mit jedem einzelnem ihrer Studioalben in Großbritannien auf Platz 1 und gewannen 3 Mal den Brit- Award für das beste Album.  Doch Zwischen dem Brit- Award 2008 und dem Brit- Award 2014 liegen 2 Alex Turner, 2 Arctic Monkeys und 2 verschiedene Sounds. 2008 war Turner noch jung, niedlich und fast sogar noch verpickelt. Doch er hatte eine Gitarre in der Hand und war froh in der ganzen Indiebewegung mit seiner Musik sogar Geld zu verdienen. Der Sound der Arctic Monkeys auf "Favourite Worst Nightmare": Schnell, ungeschliffen und direkt. Mit den verruchten Tönen auf "AM" trafen die Arctic Monkeys 2014 den Nerv der Zeit und ist nebenbei ein Meisterwerk Britischer Musik. Damit waren die Arctic Monkeys wieder ganz Oben und werden von jedem geliebt: Musiknerds, Indiefans und leider auch von den kleinen Girlies, die fortan schmachtend an Alex Turners Lippen kleben. Da kann man fast verstehen warum Turner sich in der Öffentlichkeit unnahbar und arrogant gibt.

Was haben wir nun: Indiebands, die versuchen um jeden Preis im Gespräch zu bleiben indem sie versuchen an den Erfolg in 2005 anzuknüpfen, eine Band, die fast aus purem Glück ein Meisterwerk produziert, aber das Publikum lieber K.I.Z. sehen will, eine Band, die aus purem Glück doch noch erfolgreich ist und eine Band die ihren Sound revolutionierte und damit an die falschen Fans gerät. Ja, Indieland ist abgebrannt, es brennt auch leider nirgendwo mehr weiter. Die Beteiligten versuchen zwar durch pusten und Holz nachlegen die Asche irgendwie wieder zum glühen zu bringen, was größtenteils erfolglos bleibt. Dennoch laufen Musiktrends wie die Geschichte immer Wellenförmig ab und es herrscht das Gesetz der Wiederholung. Vielleicht greifen in 10 Jahren wieder viele Schuljungen zur Gitarre und wir lesen diese Schlagzeile im Musikexpress: England Brennt Wieder!


Everybody wants to be an Astronaut and taste the smell of Vanish

Heute muss ich mich mal wirklich zurückhalten. Es ist echt schwer über diese Band einen objektiven sachlichen Text zu schreiben, wenn man selber gerade nur über die Insider selbiger Band lacht. Sagen wir es kurz: Ich muss mich echt zusammenreißen. Beginnen möchte ich gerne mit einem wirklich sachlich und objektiven Zitat von einer anonymen Person:"Die klingen ja wie ACDC!". Ob ich da jetzt zustimme (nein niemals, NEIN!), oder ich einfach erklären muss, dass das ganz tolle Musik ist, die vollkommen neu klingt und nur weil sie Gitarren benutzt ist sie nicht ACDC! Okay anderen scheinen sie "zu soft" zu sein, aber sehen wir jetzt:

WE ARE THE ROYAL







 ROYAL REPUBLIC












Tja, diesen Post hab ich gerade wiedergefunden. Scheinbar war es mir zu peinlich den jemals zu veröffentlichen, weshalb er ewig halbfertig rumlag. Ursprünglich muss dieser Post aus dem Winter von 2012 sein. In diesem Blog habe ich alles einmal erwähnt, was ich immer mal gerade hype. Diese lustigen 4 Schweden sind aber irgendwie unerwähnt geblieben, obwohl ich wahrscheinlich zu viele Stunden mit deren Interviews auf YouTube verbracht habe. Dann bekommen sie nachträglich noch ihre Bühne. Momentan nehmen sie gerade ihr drittes Album auf und sind auf dem Weg nach ganz oben. 

Viel Glück und Erfolg,

Maren

Mittwoch, 5. März 2014

Goldfrapp schließen Pakt mit dem Teufel? Die 3 ??? ermitteln bereits!

Gestern war Ich bei dem einmaligen und exklusiven Godfrapp Kinoevent in Hamburg. Außer mir wollten anscheint nur ca. 10 andere Leute dieses besondere Kinoerlbenis warnehemen








Aber zuerst alles auf Anfang: Mit ihrem tollen Album "Tales Of Us" und dem unglaublich stimmungsvollen Konzert in London habe ich das ungleiche Duo schon ins Herz geschlossen, weshalb es auch außer Frage stand ein musikalisches Kinoevent zu verpassen. Die britische Regiesseurin Lisa Gunning produzierte mit Goldfrapp 4 stimmungsvolle Kurzfilme zu den Songs Jo, Annabel, Drew und Stranger, die in voller Länge im Kino aufgeführt wurden (Bei meiner Recherche stieß ich auch auf die Information, dass Alison Goldfrapp angeblich mal was mit dieser Lisa Gunning gehabt haben soll. Das erklärt dann wohl auch warum Godfrapp die Lieblingsband aller Schwulen und Lesben ist). Dannach wurde live ein Goldfrapp Studiokonzert übertragen, was wie immer grandios war. Auf der Rückfahrt nach Hamburg schrieb ich dann diese unterhaltsamen Zeilen:



Nach einem Goldfrapp Konzert denkt man fast, dass man die drei ??? mit einem neuen Fall betrauen muss, so ähnlich sind die Erlebnisse zu dem Fall mit dem Teufelsgeiger. Die Situation ist ganz ähnlich. Auf der Bühne passiert nicht viel, eine dürre Gestalt und schweigsame Musiker performen melancholisch elektronische Musikstücke, die einen dennoch an seinen Stuhl fesselt und einen hypnotisiert jeden Ton aufsaugen lässt. Alison Goldfrapp hat allerdings vermutlich nichts mit dem Teufelsgeiger zu tun. Das kantige Gesicht, die großen Augen, die blonden kurzen Locken und ihre fragile fast zerbrechliche kleine Figur lassen sie eher engelsgleich, das weiße Kostüm fast bieder aussehen. Wenn sie die Bühne betritt tappst sie unsicher von einem Fuß auf den Anderen, ihre Ansagen sind leise fast stockend und wortkarg. Wie lässt sich also die berauschende Wirkung ihrer Musik erklären? Nicht etwa mit einem Pakt mit dem Teufel noch mit Rauschmittel, wie es bei den drei ??? der Fall war.
Die Magie von Goldfrapp beginnt erst wenn die Musik erklingt. Die Liveband mit Schlagzeugern, Streichern, Synthesizern und verschiedenen Saiteninsrumenten malen eine Kulisse, die oftmals fantastisch, unnatürlich, melancholisch als auch futuristisch sein kann, und erwecken eine Geschichte zum Leben. Alison allerdings bevölkert mit ihrer Stimme diese Märchen. So wie ihr aktuelle Album, das die Geschichten von 10 Personen erzählt, kreieren auch Goldfrapp live in nur wenigen Minuten ein fesselndes Märchen in denen Alison die Rolle des Erzählers und des Protagonisten gleichermaßen einnimmt. Plötzlich verwandelt sich die unscheinbare Person auf der Bühne zu einer lebendigen Persöhnlichkeit, die mit ihrer unglaublich wandelbaren Stimme mal den Bösewicht mal den Held, mal das Mädchen mal den Jungen, mal jemand melancholischen mal jemanden vor Fröhlichkeit sprühenden darstellen kann. Die Rolle nimmt sie dann komplett ein, sodass sie alle Hemmungen verliert und nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihren Körper erzählen lässt. Dieses Talent habe ich bisher noch nicht erlebt, es fesselt einen und lässt die Zeit verfliegen. Danach ist man erschöpft als wäre man auf einer langen Reise gewesen. Genau das sind Goldfrapp auch, eine mentale Reise durch das mentale Märchenland, wir erleben mit ihnen die "Tales Of Us".







we love to entertain you,
Maren